25 Jahre Praxis

1989/1990 Deutschland im Umbruch. Fragen über Fragen und wenige Antworten - Wie geht es weiter?

Zunächst gab es eine große Belegschaftsversammlung in der Sachsenring Poliklinik. Wir wollten unsere Poliklinik umstrukturieren, modernisieren, für die neu angebrochen Zeit fit machen. Doch keiner wusste, wie so etwas geht.

 

Nach und nach haben sich fast alle ärztliche Kollegen entschlossen, eigene Praxen zu gründen. Das war das Ende der Sachsenringpoliklinik.

Alle waren in Aufbruchsstimmung ,voller Enthusiasmus!

Nun mussten geeignete Räume gefunden, die Einrichtung und etwas Medizintechnik zusammengestellt, zahlreiche Formalitäten erledigt und Schwestern eingestellt werden. Bis ich ein eigenes Auto vom Gebrauchtwagenmarkt gekauft habe, wurde für die Hausbesuche im Notdienst ein Taxi genutzt, denn das hatte Funk im Auto und garantierte die Erreichbarkeit. Unsere erstes Mobiltelefon sah etwa aus wie ein altes Feldtelefon der Armee und das Funknetz hatte noch viele “Löcher”.

Auf viele Fragen musste man sich die Antworten zusammensuchen!

Wie nimmt man einen Kredit bei der Bank auf und wie hoch? Wo bekommen wir das Geld für unsere Arbeit her? Wird es reichen, all die Kosten zu tragen? Wie hoch ist der zu zahlende Lohn für das Personal? Wie macht man eine Lohnrechnung? Wieviel muss an Lohnnebenkosten abgeführt werden und wohin? Was ist mit der eigenen Kranken- und Rentenversicherung? Wieviel Steuern sind abzuführen? Wo gibt es einen Steuerberater?

 

Doch dann war es soweit. Gemeinsam mit einer Kollegin habe ich am 11.5.1991 unsere Praxisgemeinschaft für Allgemeinmedizin eröffnet. Ein neuer Abschnitt in meinem Berufsleben hat begonnen!

 

Unsere Patienten waren froh, dass es in der medizinischen Betreuung weiter ging. Wir hatten nun viele, früher für uns unerreichbare Möglichkeiten, Diagnostik und Therapie für unsere Patienten nutzen zu können. Wir haben gelernt, mit dem neuen Krankenkassensystem zu arbeiten, bis heute unzählige Veränderungen umgesetzt und etliche Sparprogramme überstanden. Die Praxis ist gewachsen, mit Ihr die Patientenzahlen und so haben meine Kollegin und ich uns entschlossen, 2006 die Praxen zu trennen.

 

Ein neuer Einschnitt erfolgte 2008, als ich entschied, zur “papierlosen” Praxis umzustellen. Die gute, alte Patientenkartei hatte ausgedient. Inzwischen sind Computer, Scanner, Drucker und Fax nicht mehr wegzudenken und helfen uns, den Ablauf zu organisieren.

 

Die Patientenzahl hat sich in den 25 Jahren verdoppelt, für mich ein Zeichen, dass das gesamte Praxisteam dem Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Patientenbetreuung gerecht wird.

 

Mein Dank gilt den Schwestern der 1. Stunde Schwester Helga und Schwester Carolin, ohne sie wäre der Neustart nicht so reibungslos möglich gewesen und natürlich meinen heutigen Praxismitarbeitern Schwester Antje, Schwester Sandra, Schwester Gabi, Schwester Nadine und Schülerin Celine,d ie tagtäglich mit Kompetenz, Eifer und neunen Ideen den Praxisablauf gestalten und den Patienten hilfreich zu Seite stehen.



Ina Hurtig